Anna Ursula von Hohenfeld (geb. von Metternich)
Der Vortrag über Anna Ursula von Hohenfeld verspricht Einsichten in das Leben und Wirken einer adeligen Frau, die nicht wie ihre österreichische Kusine in Wien den Tag mit Besuchen verbrachte, sondern unter schwierigen Umständen gewissermaßen als Unternehmergattin zum Aufbau der gemeinsamen Existenz in allen Bereichen ihres Mannes tatkräftig wirkte. Sicher haben viele tatkräftige Frauen in Camberg gelebt, aber nur für Anna Ursula von Hohenfeld haben wir die historischen Belege. Sie wird nach dem Vortrag einen festen Platz in der Geschichte Cambergs haben. Der Vortrag findet am Dienstag, 28. Februar um 19.30 im Clubraum des Bürgerhauses „Kurhaus“ Bad Camberg statt. Hier ein kleiner Anreiz:
Am 16. Januar 1646 heiratete die katholische Anna Ursula v. Metternich in Niederlahnstein den lutherischen Achatz von Hohenfeld (Freiherr 1655). Ihr Vater Lothar Freiherr v. Metternich war ein einflussreicher trierischer Amtmann mit Besitz im Trierischen und in Böhmen, die Mutter Anna Cordula von Heiden stammte aus Camberg. Der Ehemann, aus oberösterreichischem Adelsgeschlecht, hatte samt seinen Eltern die Heimat aus religiösen Gründen verlassen. Zunächst Stallmeister in Friesland, dann Hofmeister in Diez, 1636 bis 1642 Rittmeister, dann Oberstleutnant in einem bayerischen Dragonerregiment, – noch tobte der Dreißigjährige Krieg –, wurde 1643 Statthalter der Grafschaft Diez für den Grafen bzw. Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Diez, der seinerseits als Statthalter von Friesland in den Niederlanden lebte; darüber hinaus wurde Achatz 1652 Kammerpräsident des Kurfürsten von Trier und 1658 kaiserlicher Reichspfennigmeister.
Das Amt Camberg gehörte zum gemeinsamen Besitz des Kurfürsten von Trier und der Diezer Grafen. Hier besaßen die Heiden, die mütterliche Familie der Anna Ursula, das alte „Amthaus“, den heutigen Amtshof, sowie einige Grundstücke vor dem „Flecken“ Camberg; Anna Ursulas Ehemann Achatz baute dieses Haus um und erweiterte die Besitzungen seit 1659 nicht unbeträchtlich. Seit 1670 wohnten die Hohenfeld im Amtshof, von dort aus wirkte der Sohn Wilhelm Lothar Freiherr von Hohenfeld als kurtrierischer Oberamtmann von Camberg (1676 – 1710), der erste Hohenfelder in diesem Amt.
In ihrer fast 27 Jahre währenden Ehe brachte Anna Ursula nicht allein 15 Kinder zur Welt und wurde somit die Ahnfrau der Hohenfeld in Camberg, sie trug auch entscheidend zum Aufstieg der Familie bei. Das vor kurzem auch mit finanzieller Hilfe der Stadt Camberg vom Hessischen Hauptstaatsarchiv aus Bayern angekauften Hohenfeld-Archiv enthält Briefe von Anna Ursula an den Sohn Wilhelm Lotharius, Schreiben von Achatz an Anna Ursula und von Anna Ursula an die Fürstin Albertine Agnes von Nassau-Diez, die detaillierte Einblicke in das Handeln einer ungemein tatkräftigen Frau erlauben. Ihre Handlungskompetenz tritt besonders in der selbstständigen Leitung mehrerer Wirtschaftshöfe sowie in der Wahrnehmung privater und dienstlicher Finanzangelegenheiten in Vertretung ihres oft verreisten Ehemanns hervor. Anna Ursula v. Metternich gehört zu den wenigen adeligen Frauen des 17. Jahrhunderts, deren umfassende Leistung für ein adeliges Haus dokumentiert ist. Die Briefwechsel liefern auch neue Erkenntnisse über den Bau der Hohenfeldkapelle in Camberg und den Übertritt des Achatz von Hohenfeld zum katholischen Glauben.


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