Ex-Bistumsmitarbeiter gesteht Unterschlagung in Millionenhöhe

Dienstag, 23.02.2010

Eine Summe von fast 400 000 Euro habe er alleine benötigt, um mit seiner Familie mehrmals im Jahr luxuriöse Urlaube zu machen: Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat am Dienstag der Prozess gegen einen ehemaligen Finanzbeauftragten des Bistums Limburg wegen Unterschlagungen in Millionenhöhe begonnen. Die Taten seien ein «schwerer Fehler» gewesen, sagte der 55-Jährige vor dem Limburger Landgericht. Er habe das Geld unterschlagen, um sich und seiner Familie einen luxuriösen Lebensstil zu ermöglichen.

Im Zuschauersaal im Landgericht Limburg herrschte dichtes Gedränge. Viele Bürger aus der Gemeinde waren gekommen, um den Prozess gegen den bis dahin angesehenen Verwaltungsrat der örtlichen Kirchengemeinde und Leiter des Kirchenchores zu verfolgen. Gleich zu Beginn bestätigte der Angeklagte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, er habe von einem Konto des Bistums regelmäßig Geld für private Zwecke abgehoben. Die Anklage geht dabei von 362 Fällen mit einem Schaden von rund 2,7 Millionen Euro aus.

Vor Gericht bedauerte der ehemalige Leiter des Katholischen Rentamts Hadamar die Taten. Er habe das Geld unterschlagen, um seiner Familie einen angenehmen Lebensstil zu ermöglichen, sagte der 55-Jährige. Neben teuren Urlauben mit seiner Familie habe er einer der beiden Töchter finanziell beim Hausbau helfen wollen und die andere in ihrer Tätigkeit als Selbstständige unterstützt. Auch der Kirchenchor habe von ihm Geldzuwendungen bekommen.

Laut Staatsanwaltschaft hob der Angeklagte in Abständen oft von nur wenigen Tagen immer wieder 7500 Euro vom Konto des Bistums ab. Vor Gericht sagte er, es sei so gewesen, als «wenn ich zu meinem eigenen Konto gehe». Erst nach der Geburt einer Enkelin im September vergangenen Jahres habe er bemerkt, «dass es so nicht weiter gehen kann». Wegen seines schlechten Gewissens habe er sich dem Bischöflichen Ordinariat offenbart. Dieses habe ihm daraufhin fristlos gekündigt. Das Bistum selbst hatte hingegen damals mitgeteilt, dass man dem ehemaligen Finanzbeauftragten bei einer routinemäßigen Jahresabschlussprüfung auf die Schlichte gekommen sei.

Der Angeklagte berichtete, er habe gemeinsam mit dem Verwaltungsleiter die Vollmacht über das Konto gehabt. Dieser sei zugleich auch Kassierer in seinem Kirchenchor gewesen. Kontrollen habe es im angeklagten Tatzeitraum zwischen 2004 und 2009 kaum gegeben. Als ihn eine Mitarbeiterin aus der Buchhaltung fragte, wofür die Zahlungen bestimmt seien, habe er ihr gesagt, es seien Zuwendungen an die Stadt Limburg für bestimmte Baumaßnahmen. Sie habe sich mit der Antwort zufriedengegeben.

Als der Richter nachfragte, warum niemanden aufgefallen sei, dass die Auszahlungen in bar erfolgten, sagte der Angeklagte, er habe Kollegen gegenüber geäußert, dadurch für das Bistum Buchungsgebühren zu sparen. Seiner Familie habe er vorgespielt, dass er ein zweites Gehalt beziehe. Auch sie habe nicht weiter nachgefragt.

Offen blieb am ersten Prozesstag, wo das unterschlagene Geld letztendlich geblieben ist. Der Angeklagte gab an, über keinerlei finanzielle Mittel mehr zu verfügen. Lediglich seine Immobilien seien ihm bislang noch geblieben. Seine Familie habe sich nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe kaum noch auf die Straße getraut.

Das Bistum geht davon aus, dass der tatsächliche Gesamtschaden durch die Veruntreuung deutlich höher liegt, die Rede ist von 4,8 Millionen Euro. Bereits seit 1999 soll sich der Finanzverwalter Gelder in die eigene Tasche gesteckt haben. Wegen einer Verjährung sind vor Gericht aber nur die Fälle der vergangenen fünf Jahre relevant. Vor Gericht zeigte der Angeklagte Reue: «Da habe ich wohl sehr, sehr viel Mist gebaut», sagte er. Das Verfahren gegen ihn soll am kommenden Montag mit der Anhörung von Zeugen fortgesetzt werden.
ddp.