Experten: Untersuchte spanische Gurken nicht EHEC-Epedemie-Auslöser
BERLIN. (dapd). Die untersuchten spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt sind nicht für den Ausbruch der EHEC-Epidemie in Norddeutschland verantwortlich. Der Stamm O104:H4, der für den derzeitigen Ausbruch der gefährlichen Darmkeim-Infektionen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen verantwortlich ist, sei bei keiner der vier untersuchten spanischen Gurken nachgewiesen worden, sagte ein Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) am Mittwoch in Berlin der Nachrichtenagentur dapd.
Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) rechtfertigte die Warnung vor spanischen Gurken und wies damit die Kritik der spanischen Agrarministerin Rosa Aguilar zurück. «Wir haben nicht zu früh gewarnt», sagte sie in Hamburg. «Völlig unabhängig von diesem Krankheitsausbruch hier und diesem speziellen Erreger hätten wir immer dieses Verfahren wählen müssen», sagte die Senatorin. Ein solcher EHEC-Befund müsse in Deutschland an alle zuständigen Behörden und an die EU gemeldet werden.
An vier Salatgurken aus dem Hamburger Großmarkt war das EHEC-Bakterium in der vergangenen Woche nachgewiesen worden. Bisher hieß es, drei der Gurken stammten aus Spanien, und bei der vierten Gurke deuteten Hinweise auf Lieferwege aus den Niederlanden hin. Das BfR hat nun nach eigenen Angaben Informationen, dass auch die vierte Gurke aus Spanien stammt. Die Hamburger Gesundheitsbehörde erklärte jedoch bisher, die genaue Herkunft dieser Gurke sei unklar.
Bundesweit sind bislang 15 Menschen im Zusammenhang mit EHEC-Infektionen gestorben . Dreizehn dieser Todesfälle wurden bereits vom Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt. Die Zahl der übermittelten EHEC-Fälle ist laut RKI seit Anfang Mai auf 1.064 gestiegen. An dem gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) seien inzwischen 470 Personen. 74 Prozent dieser HUS-Fälle stammten aus Schleswig-Holstein (121), Hamburg (97), Nordrhein-Westfalen (75) und Niedersachsen (51). Betroffen vom dem HUS-Ausbruch seien alle Bundesländer.
In Niedersachsen erhöhte sich am Mittwoch die Gesamtzahl der EHEC-Erkrankungen um 30 Prozent. Mittlerweile liege die Zahl der Fälle und Verdachtsfälle bei 344, teilte das Gesundheitsministerium in Hannover mit.
Unterdessen läuft die Suche nach der Quelle der gefährlichen Infektionen nach Worten von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) mit Hochdruck weiter. Die Befragung der erkrankten Menschen sei «das Wichtigste», sagte Aigner im ZDF-«Morgenmagazin». Das RKI befrage Patienten, wo und was sie gegessen hätten. Auch die Lieferwege von Lebensmitteln müssten zurückverfolgt werden.
Aigner betonte, es sei festgestellt worden, dass Erkrankte Gurken, Tomaten und Blattsalat gegessen hätten. Zwar könne derzeit nichts ausgeschlossen werden, aber die Schnittmenge bei diesen drei Produkten sei am größten. Die Suche nach der Quelle sei auch deswegen so wichtig, weil Schadenersatzfragen ganz wesentlich mit der Ursache zusammenhingen.
Neben dem Universitätsklinikum Münster entwickelte unterdessen auch das BfR zusammen mit der französischen Lebensmittelagentur ANSES einen Test zur Erkennung des gefährlichen Durchfall-Erregers. Das evaluierte System erkennt den Angaben zufolge den EHEC-Stamm O104:H4 in Lebensmitteln. Das Institut hoffe, dass mit diesem Test die Quelle für die Infektionen mit dem EHEC-Stamm O104:H4 aufgedeckt und die risikobehafteten Lebensmittel schnell aus dem Markt genommen werden könne. Darüber hinaus solle der Test Klarheit über die Infektionskette verschaffen, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel. Das BfR habe die Methode inzwischen den Untersuchungslaboratorien der Bundesländer zur Verfügung gestellt, hieß es weiter.
Wissenschaftler der Universitätsklinik Münster hatten zuvor einen neuen EHEC-Schnelltest vorgestellt. Damit sollen nach Angaben der Forscher zusätzlich zum Nachweis des Erregers vor allem Fortschritte bei der Suche nach der Infektionsquelle ermöglicht werden. Mit dem Verfahren könnten nicht nur Proben von Menschen untersucht werden, sondern auch von Lebensmitteln, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene, Helge Karch.
Nach Angaben der Universitätsklinik steht der Test seit Montagabend zur Verfügung und kann von allem Laboren, die weiterhin die reguläre Diagnostik für ihre Patienten durchführen sollen, in Ergänzung dazu eingesetzt werden. «Der Test kann in jedem, entsprechend ausgestatteten molekularbiologischen Labor durchgeführt werden», sagte Karch.

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