Forscher kommen EHEC-Erreger auf die Spur

Bakterium an Salatgurken aus Spanien nachgewiesen
Freitag, 27.05.2011

Berlin (dapd). Auf der Suche nach dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC sind Experten einen bedeutenden Schritt vorangekommen. Das Bakterium wurde in Hamburg an vier Salatgurken nachgewiesen. Drei davon stammen nach Senatsangaben aus Spanien. Ob es sich bei dem Erregerstamm um jenen handelt, der für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist, war zunächst aber unklar. Forscher hatten zuvor einen gegen mehrere Antibiotika resistenten Erregertyp als Ursache für den Ausbruch identifiziert. Mittlerweile sind alle Bundesländer betroffen und auch in Europa breitet sich das Darmbakterium aus.

Die belasteten Gurken stammen vom Hamburger Großmarkt, wie der Leiter der Lebensmittel- und Mikrobiologie des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt, Anselm Lehmacher, sagte. Drei der Gurken kommen von zwei spanischen Zulieferern, die dem Hygieneinstitut bekannt sind. Bei einer der Gurken handelt es sich um ein Bio-Erzeugnis. Deutschlands größtes Handelsunternehmen Metro nahm Salatgurken aus Spanien aus dem Sortiment.

Zuvor war es Forschern aus Münster und Hamburg gelungen, bei EHEC-Patienten den Erregertyp HUSEC 41 des Sequenztyps ST678, auch Stereotyp O104 genannt, zu identifizieren. Der Bakterienstamm gehört zu 42 EHEC-Typen, die seit 1996 bei Patienten in Deutschland aufgetreten sind, wie der Direktor des Instituts für Hygiene des Klinikums, Helge Karch, mitteilte. Dieser EHEC-Typ sei bislang aber weltweit noch nicht «auffällig in Erscheinung getreten». Ein Test für eine schnelle Bestätigung des Erregers solle in wenigen Tagen zur Verfügung stehen. Die Identifizierung sei «ein wichtiger Schritt auf der Suche nach den Übertragungswegen», sagte Karch.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte wegen des gefährlichen Erregers am Mittwoch davon abgeraten, in Norddeutschland Tomaten, Salatgurken und Blattsalate roh zu verzehren. Diese Lebensmittel waren von Erkrankten in Hamburg laut einer Studie besonders häufig konsumiert worden. Norddeutschland ist am stärksten von dem Ausbruch betroffen. Die Verzehrempfehlung sollte nach dem Fund der Gurken überprüft werden, hieß es beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Große Bäckereien im Norden verzichteten nach der Empfehlung bei belegten Brötchen auf Salat, Gurken und Tomaten. Bauern blieben vielerorts am Donnerstag auf ihrem Gemüse sitzen. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sprach von einem unverantwortlichen Vorgehen des RKI. Er gehe davon aus, dass sich Lebensmittelfirmen wegen Entschädigungen an die Bundesregierung wenden werden, sagte Backhaus.

Bislang werden fünf Todesfälle mit dem Darmbakterium in Verbindung gebracht. Bei einem in Hamburg tot aufgefunden Mann hatte am Donnerstag die Obduktion ergeben, dass der 38-Jährige an einer Durchfallerkrankung gelitten hat. Laut RKI erkrankten von der zweiten Maiwoche bis 25. Mai 214 Menschen am gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), das Nierenschäden verursacht. Normalerweise treten in Deutschland jährlich bis zu 60 HUS-Fälle auf.

Am Donnerstagmorgen wurde in Dänemark nach Angaben des Gesundheitsministeriums der erste EHEC-Fall bestätigt. Verdachtsfälle gibt es zudem in Schweden, Großbritannien und den Niederlanden. Die Erkrankten seien kürzlich in Deutschland gewesen, sagte der Sprecher des EU-Kommissars für Gesundheit, Frederic Vincent, in Brüssel. Das gefährliche Darmbakterium erreichte am Donnerstag als letztes Bundesland Rheinland-Pfalz. Die zwei Frauen sollen sich vermutlich in Norddeutschland angesteckt haben.

Kommentare

Kommentar hinzufügen

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob man ein menschlicher Benutzer ist und um automatisierten Spam vorzubeugen.