Suche nach EHEC-Erreger läuft weiter auf Hochtouren
BERLIN (dapd). Die Suche nach der Herkunft des gefährlichen Durchfallerregers EHEC läuft weiter auf Hochtouren. Die spanischen Behörden überprüften zwei Betriebe, die Gemüse nach Deutschland geliefert hatten, wie das Gesundheitsministerium in Madrid am Freitag mitteilte. Ob die an vier spanischen Gurken in Hamburg gefundenen Erreger mit denen der infizierten Menschen übereinstimmten, war noch unklar. Bislang sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 276 Menschen am gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) erkrankt, das Nierenschäden verursacht.
Die Untersuchungen, ob eine mögliche Übereinstimmung der Bakterienstämme mit denen der erkrankten Patienten vorliegt, wird wohl noch Tage andauern. Es werde erst in der nächsten Woche mit Ergebnissen gerechnet, sagte die Sprecherin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt, Sinje Köpke auf dapd-Anfrage.
Bislang werden fünf Todesfälle mit dem Darmbakterium in Verbindung gebracht, in zwei Fällen konnte der Zusammenhang einwandfrei bestätigt werden. Das RKI erklärte, inzwischen gebe es 276 HUS-Fälle - also schwere Verläufe der Infektion. RKI-Präsident Reinhard Burger sagte im ARD-«Morgenmagazin», innerhalb von 24 Stunden seien 60 neue Fälle hinzugekommen. Es müssten jetzt weiterhin die Infektionsketten aufgeklärt werden, um zu sehen von welchem Lebensmittel der Erreger stamme und in welchem Bereich der Produktion, der Auslieferung oder der Verpackung der Erreger auf das Lebensmittel gekommen sei.
In Madrid hieß es, man sei durch ein EU-weites Alarmsystem informiert worden, dass zwischen den Erkrankungen in Deutschland und Gurken aus Spanien möglicherweise ein Zusammenhang bestehe. Noch sei aber unklar, ob es zu der Verunreinigung in Spanien oder beim Transport oder beim Umladen der Ware in Deutschland gekommen sei, betonte das Gesundheitsministerium. Im Visier seien zwei Betriebe.
Eines der betroffenen Unternehmen, Pepino Bio Frunet mit Sitz in Malaga, erklärte auf dapd-Anfrage, dass eigene Tests an den Gurken des betroffenen Bauern keine Verunreinigung ergeben hätten. Eine Sprecherin äußerte die Vermutung, dass die Erreger in Deutschland an die Gurken gelangt seien.
Ihr liege eine E-Mail des Großhändlers in Hamburg vor, wonach eine Palette mit 180 Kisten Gurken vom Transporter gekippt und auf den Boden gefallen sei. Außerdem seien die deutschen Proben zweieinhalb Wochen nach Auslieferung gemacht worden, als die Gurken schon halbverschimmelt in einem Lager gestanden hätten. «Wir wollen auch nach der Wahrheit suchen», sagte die Pepino-Bio-Frunet-Mitarbeiterin. Sie hoffe, dass Tests in Spanien und anderen Exportländer der Gurken die eigenen Proben bestätigen. Gleichzeitig kritisierte sie die deutschen Behörden, die Pepino Bio Frunet nicht über das genaue Ergebnis der Analysen informiert hätten.
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner verlangte unterdessen schärfere Regeln für Importgemüse. «Wir fordern, dass es in der EU einheitliche Standards gibt. Diese Regeln müssen auch für Drittländer gelten, die zu uns liefern», sagte Sonnleitner der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post» (Freitagausgabe).
Er fügte hinzu: «Bei uns herrschen sehr strenge Regeln und über die gesamte Kette wird kontrolliert, was wir akzeptieren und für richtig halten. Importe werden leider wesentlich lascher geprüft.» Wenn etwas passiere wie nun im Fall der EHEC-Erreger, dann seien die deutschen Bauern auch die Leidtragenden, weil es eine generelle Zurückhaltung der Verbraucher gebe.
Kritik übte Sonnleitner am RKI: Dessen Empfehlung, kein Gemüse aus Norddeutschland zu kaufen, sei für die Bauern verheerend gewesen, sagte er der «Berliner Zeitung» (Freitagausgabe). Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von der Natur habe, wisse, dass es in Norddeutschland in dieser Jahreszeit keine Freilandgurken und Tomaten gebe. «Die konnten also gar nicht mit Gülle in Berührung kommen», erklärte er.
Kommentare
Kommentar hinzufügen