Zeitarbeit nimmt wieder Fahrt auf

Inka Hoffmann aus Limburg findet nach über 90 Fehlversuchen Arbeitsplatz
Dienstag, 16.03.2010
Inka Hoffmann

„Auf einmal ist alles ganz schnell gegangen“, freut sich Inka Hoffmann aus Limburg. Die heute 35jährige Bürokauffrau hatte wegen der Geburt ihrer Tochter drei Jahre beruflich pausiert und wollte ausgerechnet im Krisenjahr 2009 wieder einen Arbeitsplatz finden. Nach mehr als 90 gescheiterten
Bewerbungen und nur einem Vorstellungsgespräch klingelte Mitte Juni unverhofft ihr Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Christiane Schreiter, Niederlassungsleiterin des Limburger Zeitarbeitunternehmens Adecco. Auf der Suche nach einer Buchhalterin für die Beselicher „PET Kunststoffrecycling GmbH“ war Schreiter in der Jobbörse der Arbeitsagentur auf die Bewerberin
aufmerksam geworden.
Noch am gleichen Nachmittag kam es zur Vorstellung beim Kunststoffverarbeiter. Bereits vier Tage später saß sie an ihrem neuen Schreibtisch und arbeitete sich als Zeitarbeiterin in die Finanzbuchhaltung des Betriebes ein. Ihr neuer Chef, Dr. Hanns-Jörg Bentele, stellte ihr bei guten Leistungen eine Übernahme in Aussicht. Bentele nutzt die Arbeitnehmerüberlassung zur Personalgewinnung.
Zehn Prozent seiner Stammbelegschaft waren zuvor als Zeitarbeiter bei ihm beschäftigt.
Am 1. Januar erhielt dann auch Inka Hoffmann einen befristeten Arbeitsvertrag beim Recycling- Betrieb. Die begeisterte Tänzerin wechselte den Arbeitgeber, nicht aber den Arbeitsplatz. Ralf Fischer, Pressesprecher der Limburger Arbeitsagentur, sieht das Zeitarbeitsgewerbe wieder
Fahrt aufnehmen. Nachdem sich die Zahl der Leiharbeiter in Limburg während der Wirtschaftskrise innerhalb eines Jahres bis Juni 2009 von 1.332 auf 772 Zeitarbeiter fast halbiert hatte, erholt sich das Gewerbe nach Fischers Angaben erstaunlich schnell. Derzeit gehen 16 Prozent aller neu gemeldeten Stellen auf Zeitarbeitsunternehmen zurück. Seit Jahresbeginn fanden 48 Arbeitnehmer im Kreis Limburg-Weilburg eine Anstellung bei einem Personaldienstleister. Vor einem Jahr waren es zur gleichen Zeit noch 28. Der Agentursprecher berichtet von Veränderungsprozessen im Zeitarbeitsgewerbe. Sei es bis vor wenigen Jahren noch der Verleih ungelernter Hilfskräfte gewesen,der das Hauptgeschäft der Personaldienstleister ausgemacht habe, würden heute deutlich mehr qualifizierte Fachkräfte auch aus dem kaufmännischen Bereich nachgefragt. Zudem würde die
Zeitarbeitsbranche neben der Arbeitnehmerüberlassung auch vermehrt Vermittlungsdienstleistungen anbieten. Fischer geht davon aus, dass der Bedarf an Zeitarbeitskräften spätestens im April nochmals kräftig steigt: „Die Zeitarbeitsbetriebe rechnen mit einer zusätzlichen Nachfrage auch aus dem Handwerk, sobald die Witterung dies zulässt. Gesucht werden dann vor allem Maler, Elektriker und Schreiner.“
Die Arbeitsagentur reagiert auf den Personalbedarf der Branche mit einem „Bewerbertag Zeitarbeit“.
Am Mittwoch, 24. März, von 13 bis 18 Uhr präsentieren 13 heimische Zeitarbeitsunternehmen im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Limburger Arbeitsagentur ihre aktuellen Stellenangebote.
Der Eintritt ist kostenlos.
Und wie geht es bei Inka Hoffmann weiter? „Ich will auf alle Fälle hier arbeiten, bis man mich irgendwann mit den Füßen voran hier ’raus trägt. Mein Ziel ist ein unbefristeter Vertrag“, bekräftigt die Berufsrückkehrerin ihre Absicht im Beisein des Chefs.